| Fritz Wunderlich | |
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| Am 17.
September starb Fritz Wunderlich an den Folgen eines tragischen Treppensturzes.
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| Der Name Fritz Wunderlich war ein Synonym für vitale Kraft, männliche Lebensfreude und strahlenden Optimismus. Wohin er kam, verbreitete er die heitere Geselligkeit des Rheinpfälzers. | |
| Als er an einem sonnigen Septembernachmittag auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt wurde, kamen Kollegen von weither angereist, um Abschied zu nehmen. Tausende säumten den Weg des Trauerzuges; viele unter ihnen hatten Wunderlich weder in der Oper noch im Konzertsaal gehört; sie kannten seine Stimme lediglich aus dem Radio oder von der Schallplatte. Seine Popularität ging weit über das Allgemeingültige hinaus und hält sich unvermindert bis heute. | |
Neun Tage vor seinem 36. Geburtstag fällt er einem geradezu grotesken
Unglücksfall zum Opfer: Ein Sturz von der Treppe eines Jagdhauses.
Wenige Tage zuvor hatte Kammersänger Wunderlich beim Edinburgh Festival
gastiert. Er gab einen Liederabend und sang beim „Zauberflöten" - Gastspiel
der Stuttgarter Staatsoper den Tamino. Der Märchenprinz war seine erste und letzte Bühnenrolle; zum ersten Male sang er ihn 1954 in Freiburg in einer Studentenaufführung bei der ihm Generalmusikdirektor Ferdinand Leitner hörte und nach Stuttgart engagierte. Der letzte Bühnenauftritt in Edinburgh galt gleichfalls dem Tamino. Knapp sieben Jahre hatte die Weltkarriere Fritz Wunderlichs gedauert. Sie fing an mit Henry in der „Schweigsamen Frau" bei den Salzburger Festspielen 1959. In der denkwürdigen Strauss - Aufführung erschien ein spielfreudiger, zur Selbstironie aufgelegter Tenor mit einer hellen, makellos durchgebildeten Stimme. Er war ein lyrischer Tenor in Stuttgart, hatte dort als Ulrich Eislinger in den „Meistersingern" debütiert und fiel erstmals auf, als ihm Wolfgang Windgassen großzügig - kollegial den Tamino überließ. Bald galt er als Geheimtip; bei der Schwetzinger Uraufführung von Egks „Revisor" hatte er nachhaltigen Erfolg, als blinder Greis Teiresias in der Stuttgarter Uraufführung von Orffs „Oedipus der Tyrann" machte er von sich reden. In Ansbach und München sang er Bach unter Karl Richter, erst die Kantaten, später die Evangelisten in den Passionen. In den kurzen sieben Jahren hat Fritz Wunderlich Interpretationsgeschichte gemacht. Man nannte ihn den besten Mozart - Tenor unserer Tage. Er war mehr: Ein stilkundiger Reformer des lyrischen Ausdrucks auf dem Gebiet barocker und klassischer Vokalkunst. Puritanertum hatte den vermeintlich objektiven, instrumentalen Klang kleiner Stimmen zum Ideal für Bach, Haydn und Mozart ausgerufen. Der energische Fritz Wunderlich entschied, daß man sich für Bachs und Händels Tenorpartien wie für Mozarts Helden mit voller, männlicher Stimme einzusetzen habe, jede Note mit selbstzerstörerischem Feuer aussingen müsse und dabei sehr wohl kluges Stilempfinden mit dramatischem Ausdruck verbinden könne. Seit Wunderlich ist der Ottavio im „Don Giovanni" wieder ein Mann, kein wohlgepflegter Schatten, der Tomino ein enthusiastischer Held, der Ferrando ein überschwenglich Liebender und der Belmonte ein entschlossener, von der Macht des Gefühls getriebener Ritter. Fritz Wunderlich hätte es sich leicht machen können. Allein der Ruhm als Mozartsänger würde ihn zur Attraktion des internationalen Festivals gemacht haben. Der fröhlich - selbstbewußte Kammersänger war jedoch ein Fanatiker der Arbeit, der seinen künstlerischen Expansionsdrang durch Fleiß und Umsicht unterbaute. Wunderlich sagte Angebote ab, um studieren zu können; Liederprogramme, Oratorien, neue Opernrollen und außerdem neue Toneinspielungen auf den verschiedenen Gebieten für Rundfunk, Fernsehen und Schallplatten. Alles was er gemacht hat, hat er mit größter Hingabe und Können gemeistert. Bis heute ist er unerreicht und nicht zu ersetzen. |
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